195 Jahre Hamburger Liedertafel

„Hallo Europa!“

Hamburger Liedertafel feierte Geburtstag mit einem Europakonzert

von Hubertus Godeysen

 

Es gehörte schon Mut dazu, als die Hamburger Liedertafel sich entschloss, das Festkonzert zum 195-jährigen Bestehen unter das selbstbewusste Motto „Hallo Europa – Hier Hamburg!“ zu stellen.

Und so erlebte am Sonntag, den 29. April, das zahlreiche begeisterungsfähige Publikum eine bunte und emotionale Musikreise durch Europa.

Traditionell begann der Abend mit „Stadt Hamburg an der Elbe Auen“. Anschließend begrüßte Gerhard Pfeifer hochrangige Ehrengäste und freute sich über ein fast ausverkauftes Konzert, deren Zuhörer mit „H

allo hier Hamburg“ eingestimmt wurden.

Und weil die Hamburger Liedertafel Geburtstag feierte, gab es auch Grußworte: Zuerst sprach Pastor Frank Engelbrecht und betonte seine Freude über die lange und enge Verbundenheit zwischen Hamburgs ältestem Männerchor und der Katharinenkirche. Ihm folgte Henrik Lesaar, Leiter der Europapolitik im Hamburger Senat und Vorsitzender der Europäischen Bewegung Hamburg. Er überbrachte die Grüße des Bürgermeisters und des Senats und dankte der HL für ihr engagiertes Konzert.

Als Präsidentin des Chorverbandes Hamburg gratulierte Angelika Eilers und überraschte die Sänger der Liedertafel nicht nur mit einer offiziellen Urkunde, sondern auch mit einem Geburtstagskuchen und brennenden Lichtern.

Danach startete das Europakonzert mit dem Ehrengast Dänemark und dem „Glostrup Mandskor“ durch, der extra aus der Nähe von Kopenhagen angereist war. Unter Leitung von Ole Jørgensen und vor der mitgebrachten dänischen Chorfahne, sang er drei beliebte heimatliche Volksweisen und erntete den ersten großen Applaus.

Das Programm blieb in Skandinavien. Es folgten Sibelius „Finnlandia Hymne“ und Norwegens „Landerkennung“. Beim anschließenden „Gabriellas Song“ aus dem berühmten schwedischen Film „Wie im Himmel“, erstrahlten erstmals auch die Frauenstimmen von Voci Amabili.

„Voci Amabili“

Dann marschierten „Baul Muluy Pipes & Drums“ ein und führten das Konzert in die schottischen Highlands. Danach erklangen, gemeinsam mit Voci Amabili, das ergreifende schottische „Loch Lomond“ und das altenglische „Scarborouh Fair“. Dazwischen sangen die Männerchöre das irische „Down by the Sally Gardens“ und aus England „Sailing“, einen Song von Rod Steward, der deshalb zum Welthit wurde, weil es sein erstes Lied war, das er im Studio alkoholfrei aufgenommen hatte.

Vor der Pause sang Voci Amabili, unter der Leitung von Hartwig Willenbrock, das tief berührende deutsche „Die Gedanken sind frei“ und erinnerte damit an Zeiten, in denen in deutschen Landen Unfreiheit, Zwang und Unterdrückung herrschten.

Der zweite Teil des Programms begann mit einer Ehrung Frankreichs, die klanggewaltig mit Chorälen aus der französischen Hubertusmesse erfolgte. Mit ihren auf „D“ gestimmten Parforcehörnern verwandelten die Bläser des Naturhorn Ensemble Triole aus Rotenburg-Wümme, unter Leitung von Jürgen Reimers, die Katharinenkirche in eine französische Kathedrale und wurden mit langanhaltendem Beifall geehrt, dem sich die Männerchöre mit „L´angélus“ anschlossen.

„Baul Muluy Pipes and Drums“

Nach diesem französischen Auftakt führte das Europakonzert über Spanien und die „Moldau“ zu den „Zwölf Räubern“ aus Russland. Hier bekam der junge Solist Viktor Harkov stürmischen Applaus, während die Bässe mit Freude in die Tiefen des russisch-orthodoxen Chorgesangs eintauchen konnten.

Danach zeigten Hartwig Willenbrock und Voci Amabili ihre Liebe zu Griechenland und sangen zwei Volkslieder von den Dodekanes in der Vertonung von Yannis Konstantinidis. Es folgten die Männerchöre mit dem kroatischen Liebeslied „Mala Moja“ und Mendelssohn Bartholdys deutschem „Jägerabschied“.

„Glostrup Mandskor“ aus Dänemark

Für Österreich erklang dann das „Bundeslied“ und verursachte eine kleine musikhistorische Sensation, denn erstmalig wurde es in Deutschland nicht als Komposition von Mozart angekündigt, sondern als Werk von Johann Baptist Holzer. Die bekannte Melodie war fälschlicherweise Mozart zugerechnet worden, obwohl sein unbekannter Logenbruder Holzer sie komponiert hat.

Zum Schluss des Europakonzertes zeigten die Männerchöre nochmals ihre ganze Kraft und Stimmfülle mit Verdis „Va, Pensiero“. Im Anschluss sangen alle Chöre klanggewaltig und mitreißend Beethovens Europa-Hymne „Ode an die Freude“ und wurden mit langem und stürmischem Beifall bedacht.

Naturhorn-Ensemble „Triole“

Als Zugabe traten die Bläser des Naturhorn Ensemble Triole noch einmal auf, um von der Empore die „Glocken“ aus L´Angelus von Edmond Hamel erklingen zu lassen. Mit dem vollen Klang ihrer Parforcehörner erfüllten die Bläser den gewaltigen Kirchenraum mit einem Glockengeläut, das anschwoll, den Ton hielt und dann langsam leise wurde. Noch einmal brandete großer Beifall auf und beendete einen Konzertabend, den es so in der altehrwürdigen Hauptkirche St. Katharinen noch nie gegeben hatte.

Die zahlreichen Gäste erlebten eine musikalische Reise durch Europa, die 86 Sänger und fünf Sängerinnen, unter Leitung von Gunter Wolf, überzeugend präsentierten. Ihre Freude sprang auf das Publikum über und versetzte nicht nur Hamburgs einzige weibliche Hauptkirche in Schwingungen, sondern riss die Gäste begeisternd mit.

„Hallo Europa – Hier Hamburg!“ bestand aus sieben Musikstücken und 24 Liedern, die in acht Sprachen von der Hamburger Liedertafel, unterstützt von den befreundeten Chören Quartett Mozart, Adolphina und Salia überzeugend vorgetragen wurden.

Doch die Stars des Abends waren die fünf Sängerinnen von Voci Amabili, deren brillante Stimmen erstrahlten und den Männerchören einen Glanz verliehen, der das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis und einer überzeugenden Werbung für die kulturelle Vielfalt Europas werden ließ.